Das wirtschaftliche Leben Drucken

Die soziale und wirtschaftliche Situation der Menschen im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat die Grenze der Belastbarkeit weit überschritten. Viele private und staatliche Firmen im sozialen und wirtschaftlichem Bereich haben  bereits geschlossen. Es gibt viele Arbeitslose, die Beamten erhalten keinen Lohn, es gibt fast kaum ein Einkommen für die Familien.

In den Städten arbeiten die meisten Männer nicht oder sie arbeiten ohne Bezahlung. Sie werden durch ihre Frauen unterstützt, die auf dem Markt einen kleinen Handel  betreiben: Die Familien haben kein Kapital und kaufen die Ware auf Kredit bei den Großhändlern ein. Die Frauen breiten die Ware auf den Märkten aus und kalkulieren den Verkaufspreis der Ware so, dass sie genügend Geld übrig haben, um das Abendessen der Familie für diesen Tag zu bezahlen. Meist reicht es nur für eine Mahlzeit pro Tag.

 

Markt

 

 Einige Entwicklungsorganisationen haben diesen gravierenden Mangel erkannt und haben ein System von rotierenden Krediten für Markthändler eingeführt. Hier werden die Frauengruppen bevorzugt behandelt, da gerade sie wissen, wie man sich im Alltag durchschlagen kann. Mit den Krediten, die sie später zurückzahlen müssen, können die Frauen arbeiten und erwirtschaften ein kleines Einkommen, um das Überleben der Familie zu sichern. Die Kredite werden in Dollar vergeben und zurückgezahlt, der Handel läuft aber in einheimischer Währung ab. Allerdings ist der kleine Handel durch die ständige Abwertung stets gefährdet.



Die Belastungen sind für die Familien  zu hoch: Die Nahrung, das Schulgeld für die Kinder, die medizinischen Bedürfnisse, die Kleidung, ... Man ist praktisch gezwungen sein Leben zu leben, ohne seine Probleme jemals in den Griff zu bekommen. Falls jemand krank wird, muss man dem Krankenhaus das Radio der Familie oder die Nähmaschine als Garantie für die Behandlung geben, damit der Kranke überhaupt behandelt wird. Und am Fälligkeitstag der Rechnung, müssen viele Familien ihr Haus verkaufen, da sie sonst die Rechnung nicht  bezahlen können.Oft gibt man das „letzte Hemd der Mutter“ oder das Mobiliar der Familie. Viele Leute sterben, da sie kein Geld haben, sich im Krankenhaus behandeln zu lassen.

Frauen als Lastenträgerinnen finden sich auf allen öffentlichen Plätzen ein: Auf den Parkplätzen für Autos, auf Märkten, in großen Geschäften. Sie tragen schwere Lasten (bis zu 80 kg) auf dem Rücken, legen damit viele km zurück, um dann am Ende eines Tages 1 $ verdient zu haben. Die Männer und kleinen Kinder machen die gleiche Arbeit, jedoch nur die Einkünfte der Frau und der Kinder tragen zum Lebensunterhalt der Familie bei: Die Männer geben das erarbeitete Geld meist für das heimische Bier aus.

Die Männer, die im Staatsdienst arbeiten, sind manches Mal gezwungen, sich mit kleinen Betrügereien an Steuerzahlern ein paar Barmittel zu erwirtschaften. Zum Beispiel versuchen Staatsbedienstete am letzten Einzahlungstag für eine bestimmte Steuer von störrischen Steuersäumigen auf der Straße Trinkgelder  einzutreiben. Mit diesen Geldern können dann notwendige Dinge für den Haushalt besorgt werden (Decken, Betten, Schränke, Radio, TV etc. ). Diese dienen dann später eventuell wieder als Pfand für Krankheits- und Todesfälle .

Die Mädchen im Alter von 15 – 20 Jahren werden oft von den Familien zur Prostitution getrieben, um für die kleinen Geschwister etwas zu essen zu verdienen. Das verschlimmert die Verbreitung sexueller Krankheiten, vor allen Dingen von Aids.

In den Dörfern ist das Leben sehr teuer. Absolut notwendige Güter werden aus der Stadt in die Dörfer gebracht. Da die Strassen fast unpassierbar sind und bewaffnete Gruppierungen auch noch enorme Straßenzölle abkassieren, verlangen die Transporteure hohe Transportkosten. Wegen der Unsicherheit auf den Straßen benutzten einige Händler, die Angst vor Plünderungen haben, den Luftweg, um die Ware heil in die Dörfer zu bekommen. Dieser Transport ist verständlicherweise noch teurer als der über Land und die Preise der Waren sind gemessen an der Kaufkraft der armen Bevölkerung viel zu hoch. Die Menschen leben hauptsächlich von der Landwirtschaft und von der Viehaufzucht und in einigen Gebieten von der Fischerei . Das Sammeln von Produkten aus dem Wald (Feuerholz, Raupen, Früchte, medizinische Pflanzen) ist eine unverzichtbare Tätigkeit in den ländlichen Gebieten .

Die Präsenz verschiedener bewaffneter Banden in den Wäldern führt häufig zu Zusammenstößen zwischen Milizen und normalem Militär. Es herrscht Landflucht, die fruchtbaren Äcker werden verlassen, Tiere werden von den Milizen geschlachtet, es kommt zu allgemeinen Hungersnöten, akuter Mangel an Grundprodukten führt zu Fehlernährungen, die Menschen flüchten in die großen Zentren und Städte. Die Arbeitslosenzahl steigt, die Armut der Flüchtenden und die der empfangenden Familien in den Städten verschmilzt. In den Gegenden mit Minen ist die aktive, die junge Bevölkerung im Minenbau tätig. Die Produkte werden in Bukavu oder in umliegenden Handelszentren verkauft. In diesen Gegenden sind die Schulen geschlossen und die Äcker liegen brach. Der Verdienst dieser Leute (meist in Dollar ausgezahlt) drängt auf die lokalen Märkte. Der Nachfrage steht ein geringer werdendes Angebot gegenüber. Es kommt zu einem enormen Preisanstieg, die Inflationsspirale dreht sich unablässig. Dies wiederum zerstört gnadenlos die Lebensbasis der weniger Erfolgreichen.



In den Minengebieten  verlassen die Frauen ihre Dörfer, um die manuellen der Förderung (Gold, Coltan) ungefähr 1 $ pro Tag zu verdienen. Dieser Verdienst soll der Familie eine kleine Ersparnis bringen. Allerdings wiegt die kleine Ersparnis bei weitem nicht die Ausbeutung der Frauen durch die schwere Arbeit auf.

In den Regionen, die einst als Kornkammer der Städte bezeichnet wurden, findet man heute viele Fälle von Mangelernährung (Mwenga, Fizi, Shabunda, )

Der Gesundheitsstand verschlechtert sich immer mehr: Unterernährung, Mangelernährung, eine Mahlzeit pro Tag, in vielen Familien nur eine Mahlzeit alle zwei Tage, Mahlzeiten ohne Eiweiß, Gemüse, Vitaminen sind hierfür die unmittelbare Ursache. Die meisten Menschen haben nur eine Mahlzeit aus  „Foufou“, einem stärkehaltigen Teig aus dem Maniok. Nur wenige "Reiche" können sich hierzu eine Soße mit Fleisch oder Fisch leisten. Endemische Krankheiten haben sich eingestellt: Malaria, Ruhr, Cholera, Wurmkrankheiten.
Der Mangel an Hygiene äußert sich im Mangel an Wasser und führt zur Ausbreitung der Krankheiten „der schmutzigen Hände“. Für die arme Bevölkerung ist eine medizinischer Versorgung unbezahlbar. Die Medikamente in den Apotheken, die ärztlichen Beratungen und die Untersuchungen im Labor sind extrem teuer. Bei einem privaten Mediziner variieren die Preise einer Untersuchung zwischen 5 $ und 10 $ , während sie im Krankenhaus 3$ kostet. Die Behandlung von Malaria kostet in einem staatlichen Zentrum
2 $ pro Person. Komplikationen treiben den Preis in die Höhe treiben. Eine Behandlung ist nur auf der Basis vorhandener Barmittel möglich, da ohne direkte Bezahlung nicht behandelt wird. So werden Medikamente oft sehr unregelmäßig eingenommen. Ein Kaiserschnitt kostet mindestens 100 $. Es gibt Menschen, die werden im Krankenhaus eingesperrt, da sie ihre fälligen Rechnungen nicht bezahlen können. In all den Fällen, wenn man plötzlich erkrankt oder einen Unfall hat, gibt es von öffentlicher Seite keinen Krankentransport, - dieser existiert einfach nicht mehr. Falls man nicht in der Lage sein sollte, die Kosten des Transports privat zu organisieren und zu bezahlen, wird der Kranke auf dem Rücken seiner Familie transportiert, auch mit dem Risiken unterwegs zu sterben. Ambulanzen, wenn überhaupt vorhanden, werden zum Transport von Medizin und dem medizinischem Personal benutzt, nicht zum Transport der schwer erkrankten Patienten.

Vor der Behandlung eines Kranken wird zunächst eine bestimmte Summe als Kaution verlangt, selbst wenn er mit dem Tode ringt. Viele Menschen sterben, ohne einen Arzt konsultiert zu haben. Falls man nach erfolgter Behandlung nicht sofort bezahlen kann, kann man einen Pfand abgeben. Meist sind dies Kleidungsstücke, ein Radio oder eine Nähmaschine. Dieser Pfand sollte 50 % der Kosten für den Eingriff abdecken. Dieses System hat sich bereits in einen Teufelskreis verwandelt: Viele können den für das normale Leben benötigten Pfand nicht auslösen und viele Krankenhäuser haben dann aufgrund fehlender Barmittel wieder zugemacht.

Im ländlichen Milieu ist die Situation katastrophal: Die Menschen leiden enorm mit all ihren Konflikten, den Unsicherheiten und der Isolation in den Dörfern. Die Entfernungen der Dörfer von den Krankenhäusern ist oftmals so groß, dass die Strecke nicht zu Fuß zurückgelegt werden kann. Viele Kranke sind ihrem eigenen Schicksal geweiht, da die Familie keinerlei finanzielle Mittel hat, die Medikamente zu bezahlen. Die Leute versuchen aus Pflanzen Medizin zu gewinnen, haben meistens jedoch keinerlei Fachkenntnisse. Solche, die noch einen Viehbestand haben, setzen diesen oftmals als Pfand bei Krankheiten ein. In manchen Regionen werden die Behandlungspreise in der Währung „Hühner“ oder „Ziegen“ angegeben, manchmal in Kilo oder einer anderen üblichen Angabe von Nahrungsmitteln, wie z. B. Bohnen, Mais oder Palmenöl.

In den belebten Zentren der Städte, die ¾ der Bevölkerung repräsentieren, auch in den Dörfern müssen im Todesfall die Leichen von einem Familienmitglied, Nachbarn oder Freund auf dem Kopf bis zum Friedhof transportiert werden. Stirbt hingegen ein Reicher oder ein Politiker, gibt es auf den Strassen Staus von PKW's, die sich hintereinander drängen um zur Beerdigung zu fahren. Enorm sind auch die Kosten für die Trauerfeiern, die meistens 3 Tage andauern. Welch Kontrast sagte ein Intellektueller: “Es ist kein Glück glücklich zu sein, wenn man ganz allein in seiner Ecke ist.“

Die Pflanzenzucht für die medizinische Therapie hat sich mehr und mehr durchgesetzt. Man sieht heute immer mehr Pflanzen auf  einzelnen Parzellen. Die dienen zur Behandlung einfacher Krankheiten, wie Magenproblemen, Verbrennungen und Wurmkrankheiten. Andere glauben, dass Christen sich dieser Mittel nicht bedienen können.



Wenn die Krankheiten andauern, konsultiert man sogenannte Fetischheiler, die mit ihren Tipps zur Heilung und zur psychologischen Stärkung der Kranken beitragen. Auch ist es alltäglich geworden in die Glaubenshäuser zu gehen, um auf ein Wunder der Heilung zu hoffen. Viele Menschen sterben in dem Glauben, von einem bösen Geist besessen zu sein, der ihnen durch Schicksal, durch Eifersüchtige oder andere Menschen mit bösen Wünschen übertragen wurde. Die Auswirkungen der Geisterbeschwörungen haben einen enormen Einfluss auf die Bevölkerung. Hier müsste spezielle Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Aids erkennen viele gar nicht als Krankheit. Viele glauben vielmehr, es sei eine Strafe für Übertretungen bestimmter Verbote oder Regeln. Andere glauben, es sei eine Bestrafung gegen die Menschheit, eine Antwort auf alle moralischen und soziologischen Verfehlungen oder Verstöße gegen die Lebensgrundlagen, die aktuell begangen werden. Andere Meinungen gehen davon aus, es sei eine Krankheit der Reichen aus den Städten. Vor dem Hintergrund all dieser Fehldeutungen ist es schwierig, eine sinnvolle Präventionsarbeit zu leisten zumal die Menschen dieser Krankheit in hohem Maße ausgesetzt sind. Es gibt sogar Bevölkerungsgruppen, die bei dem Einsatz von Präservativen an ein Satanswerk denken und der Meinung sind, dass sexuelle Beziehungen durch nichts gestört werden sollen, auch nicht durch einen sinnvollen Schutz.