Das wirtschaftliche Leben - Seite 2 Drucken
Beitragsseiten
Das wirtschaftliche Leben
Seite2
Seite3
Seite4
Alle Seiten


Die Belastungen sind für die Familien  zu hoch: Die Nahrung, das Schulgeld für die Kinder, die medizinischen Bedürfnisse, die Kleidung, ... Man ist praktisch gezwungen sein Leben zu leben, ohne seine Probleme jemals in den Griff zu bekommen. Falls jemand krank wird, muss man dem Krankenhaus das Radio der Familie oder die Nähmaschine als Garantie für die Behandlung geben, damit der Kranke überhaupt behandelt wird. Und am Fälligkeitstag der Rechnung, müssen viele Familien ihr Haus verkaufen, da sie sonst die Rechnung nicht  bezahlen können.Oft gibt man das „letzte Hemd der Mutter“ oder das Mobiliar der Familie. Viele Leute sterben, da sie kein Geld haben, sich im Krankenhaus behandeln zu lassen.

Frauen als Lastenträgerinnen finden sich auf allen öffentlichen Plätzen ein: Auf den Parkplätzen für Autos, auf Märkten, in großen Geschäften. Sie tragen schwere Lasten (bis zu 80 kg) auf dem Rücken, legen damit viele km zurück, um dann am Ende eines Tages 1 $ verdient zu haben. Die Männer und kleinen Kinder machen die gleiche Arbeit, jedoch nur die Einkünfte der Frau und der Kinder tragen zum Lebensunterhalt der Familie bei: Die Männer geben das erarbeitete Geld meist für das heimische Bier aus.

Die Männer, die im Staatsdienst arbeiten, sind manches Mal gezwungen, sich mit kleinen Betrügereien an Steuerzahlern ein paar Barmittel zu erwirtschaften. Zum Beispiel versuchen Staatsbedienstete am letzten Einzahlungstag für eine bestimmte Steuer von störrischen Steuersäumigen auf der Straße Trinkgelder  einzutreiben. Mit diesen Geldern können dann notwendige Dinge für den Haushalt besorgt werden (Decken, Betten, Schränke, Radio, TV etc. ). Diese dienen dann später eventuell wieder als Pfand für Krankheits- und Todesfälle .

Die Mädchen im Alter von 15 – 20 Jahren werden oft von den Familien zur Prostitution getrieben, um für die kleinen Geschwister etwas zu essen zu verdienen. Das verschlimmert die Verbreitung sexueller Krankheiten, vor allen Dingen von Aids.

In den Dörfern ist das Leben sehr teuer. Absolut notwendige Güter werden aus der Stadt in die Dörfer gebracht. Da die Strassen fast unpassierbar sind und bewaffnete Gruppierungen auch noch enorme Straßenzölle abkassieren, verlangen die Transporteure hohe Transportkosten. Wegen der Unsicherheit auf den Straßen benutzten einige Händler, die Angst vor Plünderungen haben, den Luftweg, um die Ware heil in die Dörfer zu bekommen. Dieser Transport ist verständlicherweise noch teurer als der über Land und die Preise der Waren sind gemessen an der Kaufkraft der armen Bevölkerung viel zu hoch. Die Menschen leben hauptsächlich von der Landwirtschaft und von der Viehaufzucht und in einigen Gebieten von der Fischerei . Das Sammeln von Produkten aus dem Wald (Feuerholz, Raupen, Früchte, medizinische Pflanzen) ist eine unverzichtbare Tätigkeit in den ländlichen Gebieten .

Die Präsenz verschiedener bewaffneter Banden in den Wäldern führt häufig zu Zusammenstößen zwischen Milizen und normalem Militär. Es herrscht Landflucht, die fruchtbaren Äcker werden verlassen, Tiere werden von den Milizen geschlachtet, es kommt zu allgemeinen Hungersnöten, akuter Mangel an Grundprodukten führt zu Fehlernährungen, die Menschen flüchten in die großen Zentren und Städte. Die Arbeitslosenzahl steigt, die Armut der Flüchtenden und die der empfangenden Familien in den Städten verschmilzt. In den Gegenden mit Minen ist die aktive, die junge Bevölkerung im Minenbau tätig. Die Produkte werden in Bukavu oder in umliegenden Handelszentren verkauft. In diesen Gegenden sind die Schulen geschlossen und die Äcker liegen brach. Der Verdienst dieser Leute (meist in Dollar ausgezahlt) drängt auf die lokalen Märkte. Der Nachfrage steht ein geringer werdendes Angebot gegenüber. Es kommt zu einem enormen Preisanstieg, die Inflationsspirale dreht sich unablässig. Dies wiederum zerstört gnadenlos die Lebensbasis der weniger Erfolgreichen.