Jahresbericht 2017 Drucken
anlässlich der Mitgliederversammlung am 03.03.2018



A. Arbeit in Deutschland

1. Vorstandsarbeit
Der Vorstand verständigte sich im Jahresverlauf mehrfach telefonisch und per mail über die anliegenden Sachfragen. Es gingen keine neuen Projektanträge zur Förderung ein.


2. Projektberichte

Projekte von 2016
Die Abschlussberichte von OCEK (= „Organisation pour la Conservation Environnementale au Kivu“)zu zwei inhaltlich ähnlichen Projekten aus dem Förderjahr 2016 gingen am 25.02.2018 ein. Sie liegen hier in Übersetzung vor und können eingesehen werden. Es handelt sich um

  • das „Projekt zur UnterstĂĽtzung der Tierhaltung und zur Verbesserung der Ernährungssicherheit in den gefährdeten Haushalten von Nyangezi, CollectivitĂ© Walungu“, gefördert mit € 2625;
  • und das „Projekt zur Tierhaltung und zur Verbesserung der Ernährungssicherheit in den von Frauen gefĂĽhrten, gefährdeten Haushalten von Cibanja, Mbinga-SĂĽd, CollectivitĂ© Kalehe“, gefördert mit € 2750.

Die Laufzeit ist jeweils ein Jahr. Inhaltlich geht es bei beiden Projekten um die wirtschaftliche und gesundheitliche Stabilisierung armer Haushalte durch eine Kombination von Ziegenhaltung und Gemüseanbau; um Schulungen zur Ernährungssicherheit und zu Nährwert und Marktwert der angebauten Gemüse und Getreidepflanzen;  um Kurse zu diversen landwirtschaftlichen Techniken wie z.B. zur Produktion von Dünger zur Steigerung der Erträge. Um neue Techniken wie das Anlegen von Terrassen an steilen Berghängen (Nyangezi). Um Tierhaltung, die Produktion von Futterpflanzen und den Einsatz von Heilpflanzen bei erkrankten Tieren (Kalehe) u.a.. Die neu dazukommenden Jungtiere werden im Rotationsverfahren unter den Mitgliedern verteilt. Diese Verteilaktion ist in beiden Projekten längst nicht abgeschlossen.

Aus Nyangezi wird als Erfolg gemeldet, dass Mais und der dort noch nicht so bekannte Soja im Terrassenanbau zusammen angebaut werden und gute Erträge erzielen. Mais wird zu Maismehl weiterverarbeitet, was auf dem Markt höhere Preise erzielt. Nachdem ein staatliches Kaffeeprojekt in der Gegend begonnen wurde, ergibt sich auch die Perspektive, den selbst hergestellten Dünger dorthin zu verkaufen. Einer der Mitglieder, der als armer Bauer begonnen hat, kann das Projekt für sich nutzen. Er hat Glück mit den Ziegen und beweist Geschick mit dem Gemüseanbau. Innocent schreibt, er habe 500 US$ zusammen. Sein Ziel:  Er will den Brautpreis für seine Frau bezahlen. Im Projekt wird er als leuchtendes Beispiel bei den Schulungskursen eingesetzt.


In Kalehe unterstützt das Projekt Frauen mit drei oder mehr schulpflichtigen Kindern, die von ihren Männern/Vätern verlassen wurden. Die Mitglieder dort haben 5 Frauen zu einem Kurs in Nyangezi abgeordnet, zur Horizonterweiterung und zur Förderung des Austauschs. Das Gelernte bringen sie dann zuhause den anderen bei. Die Gruppe hat ein großes Gemeinschaftsfeld angelegt, wo sie mit dem ihnen unbekannten Saatgut experimentieren. In diesen armen Familien stellt bereits die verbesserte Ernährung der Mitglieder durch die eigene Ernte und den Gebrauch von Ziegenmilch einen großen Erfolg dar. Aber auch hier kann darüber hinaus Gewinn gemacht werden. Im Bericht ist von drei Bäuerinnen die Rede, die 50 US$ erwirtschaftet haben und  mehrere Ziegen besitzen, und deren Männer nun beschlossen hätten, dass es sich lohnt zurückzukehren.

Der Austausch zwischen den Mitgliedern an verschiedenen Orten wird auch durch die Kursleiter und Animateurinnen gefördert, die frühere von ProKivu geförderte Projekte schon begleitet haben und jetzt die Verbindung dorthin herstellen (z.B. nach Burhinyi). OCEK nutzt zudem seinen Einfluss, um nach Abschluss des ProKivu-Projekts den Frauen von Kalehe neue Unterstützung durch die Organisation für die soziale Wiedereingliederung der Frauen (ARSF) zu sichern.

Innocent Balagizi, Leiter der Organisation OCEK ist als der Projektverantwortliche seit längerem überlastet: Mit Dozententätigkeiten an verschiedenen Fakultäten der Hochschulen in Bukavu und Uvira - er spricht von 36 Kursen im Jahr;  dass er dadurch viel unterwegs war; dass es einen Mitarbeiterwechsel gegeben hat und zwei neue Mitarbeiter, Ciza Floribert und Léa Babite, für eine freiwillige Projektarbeit vor Ort gefunden wurden. Zwei Kameras, die zur Projektdokumentation dienten, sind gestohlen worden, ein Laptop ist defekt. Bilder aus dem Projektjahr 2016 sind dadurch ganz verloren gegangen, von 2017 sind sie teilweise verloren. Innocent hat nebenbei in seinem Fachgebiet „Heilpflanzen“ ein Buch für den allgemeinen Gebrauch verfasst, das soeben - durch Vermittlung eines italienischen Padre - in einem italienischen Verlag erschienen ist.


Neues Projekt 2017

Projektbezeichnung: „Projekt zur Begleitung einer Gruppe von kürzlich alphabetisierten Frauen in Luntukulu, Territorium von Walungu, Provinz Süd-Kivu“, gefördert im März 2017 mit € 1998.
Der Zwischenbericht von BEST (= Bureau d’Études Scientifiques et Techniques“) über das Projekt Luntukulu ging im Januar ein. Von dem Verantwortlichen für die Arbeit vor Ort, Stanislas Lubala, sehr ausführlich verfasst, wurde er von Emmeli und mir zur besseren Lesbarkeit gekürzt übersetzt und kann ebenfalls eingesehen werden.
Kurz gefasst handelt es sich um die Verbesserung der Nahrungsmittelsicherheit in einer Bergbaugegend. Nach einem erfolgreich bestandenen Alphabetisierungskurs legen die Teilnehmerinnen eine Gemüseaufzucht auf einem Gelände an, das von der Kommune zur Verfügung gestellt wird und ziehen dort Gemüsepflanzen für den Eigengebrauch heran, aber auch zum Verkauf auf dem örtlichen Markt. Den Frauen wird durch Alphabetisierung in Kombination mit einer besseren Ernährung und einem eigenen Einkommen die Chance auf mehr Unabhängigkeit gegeben, während sie früher ein prekäres Dasein fristeten. Der Zwischenbericht deutet bereits an, dass es aus Sicht der Verantwortlichen sinnvoll ist, dies Projekt weiterzuführen. Ein Folgeantrag liegt bisher aber nicht vor.



B. Aktuelle Situation im Kongo

Von verschiedenen Stellen trafen in den vergangenen 6 Monaten beunruhigende bis katastrophale Meldungen zur politischen, wirtschaftlichen und Menschenrechtslage im Ostkongo ein:
Präsident Kabila hat seine letzte legale Amtszeit seit Ende 2016 überschritten. Es müssten längst Neuwahlen stattgefunden haben, aber der politische Wille dazu fehlt. Währenddessen nimmt die Unruhe weiter zu. In den letzten Wochen gab es in Kinshasa bei Demonstrationen gegen die Regierung Tote und Verletzte. Die politische Opposition ist nicht stark genug, um einen Umsturz des Regimes herbeizuführen. Erstmals sieht man Priester aufseiten der Demonstranten, nachdem die katholische Kirche vorher immer zu vermitteln versucht hatte.

Der mail-Austausch und zwei Telefonate mit Innocent Balagizi haben ergeben, dass die politische Lage im Süd-Kivu sich ständig verschlechtert, sodass das Reisen auf bestimmten Strecken gefährlich ist und selbst in Bukavu täglich Menschen erschossen werden und es sogar Explosionen gibt. Viele seiner Kollegen hätten Bukavu verlassen und lebten jetzt in Cyangugu, Ruanda oder in Bujumbura, Burundi. Die meisten Nahrungsmittel werden aus Ruanda importiert. Ein Stammeskonflikt zwischen zwei Stämmen hat die Stadt Uvira lahm gelegt. Kein Strom, keine Kommunikation, kein Internet über 10 Tage. Ein Lichtblick: Bukavu hat einen neuen Bürgermeister, Bilubi Meschack, der selbst jahrelang mit internationalen Organisationen gearbeitet hat. Innocent spricht von ihm als „Kollege“, der sich bemühen werde, etwas Gutes für die Stadt zu bewirken.

Dr. Gisela Schneider, die im letzten Herbst die Projektpartner des DIFĂ„M in Bukavu besuchte, berichtete von sichtbar zunehmender und erschreckender Armut und von einer groĂźen Unsicherheit in der Stadt, sodass sie zeitweise ihr Hotelzimmer nicht verlassen konnte.

Dr. Denis Mukwege, Chefarzt des Panzi-Hospitals und vielfach ausgezeichneter Menschenrechtsaktivist, lebt und arbeitet aus Sicherheitsgründen selbst auf dem Krankenhausgelände unter ständigem Polizeischutz.

Dr. Esther Alenge, Ärztin am Nundu-Hospital 200 km südlich von Bukavu, berichtet von bewaffneten Auseinandersetzungen in Fizi am Tanganyika-See zwischen der Mai-Mai-Bewegung und der regulären kongolesischen Armee. Seit September 2017 lebt die Bevölkerung mit dieser Bedrohung, hat zeitweise die Dörfer verlassen und sich im Busch versteckt. Das Krankenhaus hat weiter gearbeitet, aber man ist sich des Risikos jederzeit bewusst;

Nicht nur im Süd-Kivu, auch in den nördlichen Provinzen Nord-Kivu und Ituri gab es Rebellenüberfälle, die Fluchtbewegungen in die nächsten größeren Städte auslösten.

C. Ausblick auf das Jahr 2018

Es bietet sich uns aller Voraussicht nach die Gelegenheit zu einer weiteren Zusammenarbeit mit BEST in Luntukulu. Angesichts der prekären politischen Lage empfiehlt sich diese Kooperation, die trotz allem bisher ohne größere Probleme gelaufen ist. Es wird vorgeschlagen, BEST zu informieren
dass ProKivu für einen Folgeantrag offen ist, wenn sie ihn stellen möchten.


TĂĽbingen, den 01.03.2018

Dr. Elisabeth Fries