Vortrag von Dr. Fries zur Lage im Kongo 2009 - Seite 7 Drucken
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Vortrag von Dr. Fries zur Lage im Kongo 2009
Kongo für alle – alle für Kongo?
Wie ist die aktuelle Situation?
Amani-Friedensprozess / Goma, Januar 2008
MONUC (UNO)
Wie kam es dazu, dass es so ist?
Stichworte zu Geografie, Infrastruktur und Geschichte des Kongo
Wohin fliehen die Menschen?
EU-Interventionspolitik
Verantwortung für die internationale Gemeinschaft
Andere Interessensmächte
Was könnte die Weltöffentlichkeit Positives tun? Z.B. Flüchtlingsaufnahme
Medien und Kontakte
Welche Form von Hilfe nützt den Menschen vor Ort?
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Stichworte zu Geografie, Infrastruktur und Geschichte des Kongo

Die Demokratische Republik Kongo ist mit 3,3 Mio. km² ein Land von der Größe eines Kontinents, 10 x so groß wie die alte BRD. Sie hat ca. 60 Mio. Einwohner, davon fast die Hälfte 15 Jahre und jünger.  Es gibt kein durchgehendes Straßen- oder Schienennetz, und wer über größere Strecken von A nach B will, nimmt das Flugzeug oder vielleicht auch das Schiff. Es gibt über 250 Stämme und fast so viele lokale Sprachen und sieben afrikanische Hauptsprachen. Französisch wird als die einzige gemeinsame Sprache an den Schulen unterrichtet, es ist die Sprache der Gebildeten und der Verwaltung.

Stichworte: Auf der Berliner Konferenz wurde der Kongo 1885 Freistaat und persönliches Eigentum des Königs Leopold II., der die Bevölkerung in den nächsten 30 Jahren grausam unterdrückte und das Land durch Anbau von Kautschuk und Abbau von Bodenschätzen auspresste. Mutige Einzelpersonen stellten früh Nachforschungen über die Gräueltaten im Kongo an (Williamson, Morel) und es kam zu Demonstrationen in Großbritannien und den USA. Unter dem Druck der Weltöffentlichkeit wegen der unerhört grausamen Ausbeutung  mit 10 Mio. Toten wurde der Kongo vor dem Ersten Weltkrieg schließlich einer Kolonialverwaltung durch den belgischen Staat unterstellt.
  
Als der Kongo 1960 sozusagen über Nacht in die Unabhängigkeit entlassen wurde, gab es nur eine Handvoll Kongolesen mit Universitätsabschluss. Die weißen Minenbesitzer und Militärkommandanten taten so, als ginge sie die Unabhängigkeit nichts an. Patrice Lumumba, der charismatische erste Premierminister, orientierte sich politisch links . Im Juli 1960 erklärte sich die reiche Südprovinz Katanga unter Moise Tshombe für unabhängig , und ein blutiger Bürgerkrieg brach los, der als „Kongo-Krise“ in die Geschichte eingegangen ist. Der damalige UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld vermittelte persönlich und starb beim Absturz seines Flugzeugs, dem die Landeerlaubnis verweigert worden war. Lumumba wurde unter Mitwirkung des amerikanischen Geheimdienstes festgenommen und 1961 von den eigenen Landsleuten hingerichtet. Der linksradikale Vizepremier Gizenga floh nach Brazzaville, und es kam zur Abspaltung eines Teils des Landes als Volksrepublik Kongo oder Kongo-Brazzaville. Die beiden Hauptstädte Kinshasa und Brazzaville liegen sich an dem 7 km breiten Kongo-Fluss gegenüber.
 
Mobutu beherrschte den Kongo von 1965 bis 1997 mit einer kleinen Machtelite von ca. 500 Personen, die sich an dem Verkauf von Bergbaukonzessionen an das Ausland schamlos bereicherten. 1971 wurde die Zairisierung mit Enteignung ausländischer Unternehmen durchgeführt. Das Land hieß ab jetzt Zaire nach dem afrikanischen Namen Zaire für den Kongofluss. Der Abacost („à bas le costume“) wurde als Kleidungsstück eingeführt  –  eine hemdähnliche Jacke mit offenem Kragen, ohne Schlips oder Krawatte. Westliche Vornamen wurden abgeschafft, jeder „Citoyen“ musste sich einen afrikanischen Namen zulegen.

Enteignungen ausländischer Unternehmen gab es über die Jahre immer wieder. Unter zairischer Leitung waren sie dann nach einiger Zeit so herunter gewirtschaftet, dass man die ursprünglichen Besitzer wieder zurück holen musste. Streiks an den Universitäten für mehr Demokratie führten Anfang der 90-er Jahre zu Neuwahlen und zur Umgestaltung des Parlaments. Eine echte Opposition wurde aber weiterhin nicht geduldet, Regimekritiker lebten im Ausland oder wurden inhaftiert und umgebracht. 1996 wurde Mobutu gestürzt und starb wenig später im Exil in Marokko.