Reise in den Kivu - Sommer 2002 Drucken

Grund der Reise


Auf unserer Mitgliederversammlung vom März 2002 hatten wir beschlossen, in diesem Sommer nach Bukavu zu reisen. Gemeinsam mit Ushirika wollten wir die erste Phase der Zusammenarbeit besprechen, uns einen Eindruck über die von uns unterstützten Projekte machen, um dann mit Ushirika und unserem Berater vor Ort die Grundlinien für die jetzt beginnende zweite Phase der Zusammenarbeit festzulegen.


Ankunft in Bukavu

Am 27.06. flogen wir nach Nairobi. Erst am nächsten Morgen ging die Anschlussmaschine nach Kigali. Dort trafen wir am nächsten Morgen kurz vor 8:00 ein. Eine Freundin, die am gleichen Tag nach Bukavu fahren wollte, holte uns vom Flughafen ab. Die 300 km lange Autofahrt quer durch Ruanda an die kongolesische Grenze dauerte ca. 6 Stunden. Am Nachmittag bezogen wir schon unser Haus, welches uns ein Freund der Pharmakina für die Zeit unseres Aufenthalts zur Verfügung gestellt hatte. Auch um ein Auto hatte er sich gekümmert.


Programm der zwei Wochen

Gleich am Samstag trafen wir uns mit Vertretern von Ushirika. Es ging darum, uns ein erstes Bild von der Lage in der Region zu machen und das Programm der kommenden 2 Wochen abzusprechen. Am Montag, den 01.07 hatten wir dann mit Ushirika unsere erste gemeinsame Sitzung. In den nächsten Tagen führten wir eine Reihe von einzelnen Gesprächen: Mit Mitgliedern von Ushirika, mit unserem neutralen Berater vor Ort, mit einer amerikanischen Missionarin, die lange am Tanganyika-See gearbeitet hat, und vielen anderen Personen, mit denen wir früher zusammen gearbeitet und gelebt hatten. Wir besuchten die von uns unterstützten Projekte, und konnten uns im Gespräch mit den Mitgliedern ein konkretes Bild von der Projektarbeit machen. In einer zweiten gemeinsamen Sitzung mit Ushirika und unserem Berater legten wir am 08.07. aufgrund bisher gemachten Erfahrungen, den Besuchen bei den Projekten und den Rahmenbedingungen der allgemeinen Lage die Grundlinien für die 2. Phase der Zusammenarbeit fest.


Ergebnis der Besprechungen

Wir wollen nicht den Verlauf jeder einzelnen Sitzung und jedes einzelnen Gesprächs wiedergeben, sondern die einzelnen Ergebnisse und Ratschläge zusammenfassend darstellen.

  • Ushirika bedankt sich bei ProKivu für die gute Zusammenarbeit, und dass wir es geschafft haben, in so kurzer Zeit bereits 5 Projekte zu unterstützen.

  • ProKivu bedankt sich bei Ushirika für die problemlose Zusammenarbeit und den großen Einsatz unter den nicht einfachen Bedingungen.

Bisherige Erfahrungen von Ushirika

  • Ushirika ist in der Region bereits bekannt geworden.
  • Die unterstützten Projekte haben bereits Auswirkungen auf andere Gruppen, die auch überlegen, was sie mit Ushirika realisieren könnten.
  • Es gibt kein Konkurrenzdenken in den Dörfern, da andere nicht ausgeschlossen werden, sondern jeder der jeweiligen Gruppe beitreten kann, wenn er mitarbeiten will.
  • Es gibt ein Übermaß von Anfragen für ernstzunehmende Projekte, die Ushirika wegen nicht aus-reichender finanzieller Mittel nicht bearbeiten kann.
  • Andere Finanzgeberorganisationen, mit denen Ushirika in Kontakt getreten ist, verstehen meist die Bedeutung von Kleinprojekten nicht. Sie meinen, dass diese keine dauernden Auswirkungen auf die Entwicklung in der Region haben.



Projekte


Abgelehnte Projekte


Eine Reihe von Projekten, die von Ushirika angefragt waren, wurden während der ersten 2 Jahre der Zusammenarbeit von ProKivu abgelehnt: In wesentlichen Punkten erfüllten sie nicht die Bedingungen unserer Zusammenarbeit. ProKivu weist noch einmal darauf hin, dass die Projektanfragen so weit als nur irgend möglich dem Policy-Rahmen unserer Unterstützungen entsprechen sollten. Unterstützt werden können nur Direktanfragen von Gruppen. Anfragen anderer ONG's für deren Projekte würden noch eine Koordinierungsstelle dazwischenschalten. Dies erfordert unnötige Kosten und unnötige Beratungs- Koordinierungsarbeit. Wir sollten erreichen, dass bei klarer Absprache über den Unterstützungsrahmen die Auswahl der Projekte so weit wie möglich bei Ushirika liegt. ProKivu prüft dann nur noch, ob man sich an die Absprachen gehalten hat.


Zurückgestellte Projekte


3 Projekte sind schon seit längerer Zeit bei der GTZ eingereicht worden. Diese versucht seit mehr als einem Jahr eine Art Kriseninterventionsprogramm mit EZE und Misereor im Kivu aufzubauen. Grundsätzlich wurden die 3 Projekte schon genehmigt. Leider ist es aber bisher bei Gesprächen geblieben und in der Region noch nichts verwirklicht worden. Ushirika will noch die nächste Sitzung abwarten. Wenn dann immer noch nichts geschieht, bittet Ushirika ProKivu diese Projekte zu finanzieren.

7 angefragte Projekte wurden wegen offener Fragen erst einmal zurückgestellt. Erst wenn die Fragen geklärt sind kann entschieden werden, ob ProKivu auf die Projekte zugeht.


-Neue Projekte, Neue Partner

Ushirika hat ProKivu gebeten, auch andere Finanzierungspartner zu interessieren, um auf die große Anzahl der Anfragen von Gruppen aus dem Süd-Kivu eingehen zu können. Um auf andere Partner zugehen zu können, benötigt ProKivu aber von Ushirika die Vorlage einer Liste unterstützenswerter Projekte. Am besten wäre es, einige Projektanfragen nach Sachgebieten zu sammeln und dann so etwas wie eine konkrete Programmanfrage zu machen (bspw. die Unterstützung von landwirtschaftlichen Kleinprojekten). Nur mit einer konkreten, an die Situation angepassten Anfrage kann ProKivu sich an andere Finanzierungspartner wenden.


Begleitung von bereits unterstützten Projekten

Wenn man angefangen hat auf eine Projektanfrage einer Gruppe einzugehen, dann muss man diese Gruppe auch bei der Realisierung begleiten. In der Phase der Verwirklichung werden oft erst eine Reihe von Problemen sichtbar, die man vorher nicht gesehen hat und die eine weitere Beratung erfordern. Man kann eine Gruppe gerade in der momentanen Situation nicht allein lassen. Sonst müsste mit vielen gescheiterten Projekten, d.h. mit unnötigen Unterstützungen gerechnet werden. Die Erfahrung aus konkreten Verwirklichungen wird dann auch für weitere Projektanfragen benötigt.


Mehrfachunterstützungen

Die Abmachungen unserer Zusammenarbeit mit Ushirika sehen bisher im Prinzip nur einmalige Unterstützungen einer Gruppe vor. Die Idee war, wegen der limitierten finanziellen Mittel möglichst vielen Gruppen Unterstützungen zukommen lassen zu können. Aus den Erfahrungen der ersten Projekte gibt Ushirika zu bedenken, dass auch Mehrfachunterstützungen möglich sein sollten. Oft würde erst die Verwirklichung eines Projektes den Bedarf zu einer weiteren Maßnahme aufzeigen. Auch sind manche Projekte total unterschätzt im Budgetvolumen. Hier sollte eine Anschlussunterstützung zur Abrundung möglich sein. Diese müsste allerdings nicht unbedingt wieder den Maximalbetrag von 1.500$ ausschöpfen (s. die ‚Mühle von Kakundu')!


Geschichten und Bilder

Es ist sehr wichtig, zu den eingeschickten Geschichten über die Alltagsprobleme auch Bilder mitzuschicken. Informationen und Interesse transportiert man hier in Europa am besten über Bilder. Auch zu den Projektanfragen und -berichten sollten zum besseren Verständnis Bilder mitgeschickt werden.


Ratschläge unseres Beraters vor Ort

Unserer Berater, ein seit Jahrzehnten im Kivu in der Entwicklungsarbeit arbeitender Fachmann, berät Ushirika vor Ort, sieht sich die Projekte an und hilft bei Problemen. Nach den ersten zwei Jahren der Zusammenarbeit hat er uns eine Reihe von Ratschlägen gemacht:

  • Es macht Sinn, sich auf bestimmte Bereiche bei den Projekten zu beschränken. So sind für ihn folgende Bereiche jetzt wichtig:

    • Verbesserung der Wohnhäuser (in Adobetechnik oder Backsteinbau)
    • Tondachziegelherstellung
    • Einfassung von Quellen (Kosten bis ca. 350$/Quelleinfassung)
    • Wasseraufbereitung
    • Latrinenbau
    • Kleintierhaltung
    • Rotierende Kreditsysteme (vor allem für Frauen geeignet,
    • da verantwortungsvoll)
    • Sicherstellung bestimmter Ausbildungen/Schulbesuch
    • Sicherstellung der Betreuung der Projekte
    • Unterstützung der grundlegenden Bedürfnisse

  • Am Ende eines Jahres müsste in einem Projekt deutlich werden, was mit dem Engagement erreicht wurde. Es muss konkret etwas zu sehen sein. Wenn man zu viel auf einmal durchzuführen versucht und in zu vielen und weit entfernten Regionen gleichzeitig tätig sein will riskiert man, sich zu verzetteln.

  • Auch macht es nicht unbedingt Sinn, sich auf Einmalunterstützungen zu versteifen. Man muss dann jedes Mal mit einer neuen Gruppe beginnen, eines neues Projekt versuchen zu betreuen. Besser wäre es, mit engagierten Gruppen und Projekten, die gute Ergebnisse gebracht haben, weiter zu arbeiten und bei Bedarf weitere Bereiche zu unterstützen.

  • Seine Einschätzungen zu konkreten Projektanfragen:

    • Kantinen gibt es in Bukavu und Umgebung in Hülle und Fülle, sind nicht zu unterstützen.
    • Bei individuellem Handel muss man sehr genau hinsehen.
    • Seifenherstellungen müssen genau durchkalkuliert werden: Es gibt schon viele Seifenhersteller in Bukavu und Umgebung. Auch gibt es in Ruanda industriell hergestellte Seife jetzt überall billig zu kaufen. Das Palmöl, was zur Nahrung und auch zur Seifenherstellung benutzt wird, ist in Bukavu wegen der Verkehrsprobleme immer schwerer zu beschaffen und deshalb sehr teuer geworden. Öl als Grundnahrungsmittel kommt jetzt oft schon aus Thailand.
    • Unter den gegebenen unsicheren Verhältnissen vieler ländlicher Gegenden und den schwierigen Verkehrsverhältnissen macht es im Moment keinen Sinn, entfernt liegende Palmölhersteller zu unterstützen.
    • Bei Schweineprojekten sollte man sich auf lokale Rassen beschränken. Verbesserte Rassen sind sehr kompliziert (sehr anfällig für Krankheiten wie Schweinepest, haben die für ländliche Verhältnisse nicht ausreichend Widerstandskräfte und benötigen eine laufende spezielle Betreuung). Schweineprojekte mit lokalen Rassen sind eine gute Sache, da es viel zu wenig Schweine in der Region gibt.
    • Schulprojekte: Kinder, die keine Möglichkeit haben zur Schule zu gehen, sollten unterstützt werden.




Pilotfarm von Kavumu


In einer Region etwa 50 km nördlich von Bukavu liegt die ‚Pilotfarm von Kavumu'. Das Hühnerprojekt funktioniert schon als ein rotierendes System. Familien, die Interesse an Hühnern hatten, sind zunächst Mitglieder der Gruppe GESMAV geworden. Dann bekamen sie auf Kreditbasis 4 Hühner und einen Hahn. Sobald ihre Hühner selbst Küken ausgebrütet hatten, begannen die Familien nach und nach Hühner an die Gruppe zurückzugeben. 
Gekauft wurden die Küken zunächst von einer Brutstation in Bukavu. Es handelte sich um eine verbesserte Rasse, die bei sachgerechter Fütterung jeden Tag ein Ei legt. Die normalen Dorfhühner legen nur in bestimmten Perioden Eier und sind deshalb nicht so beliebt. Allerdings sind sie widerstandsfähiger gegen Krankheiten. In der Regenzeit ist die Beschaffung des Futters kein Problem, da die Familien genug gutes Futter aus ihren Gärten zur Verfügung haben (Hirse, Mais, Küchenabfälle, Kartoffelschalen). In der Trockenzeit (hier 3-4 Monate im Jahr) muss Futter zugekauft werden. Hier kommt es dann manchmal zu Problemen: Sorgen die Familien nicht für genügend Futter, legen die Hühner auch nicht mehr jeden Tag Eier. Damit haben dann die Familien aber auch weniger Einkünfte aus den Eierverkäufen.

Alle Hühner werden regelmäßig geimpft. Sonst werden sie oft vor allem in der Trockenzeit krank und können sterben. Ein Veterinär, angestellt in der Aufzuchtsstation in Bukavu, ist auch Mitglied der Gruppe GESMAV und kümmert sich um die nötigen Impfungen. Nach der Anfangsphase bezahlen die Familien die Impfungen selbst. Bevor Familien Hühner vom Projekt erhalten, bekommen sie eine Einweisung über Hühnerhaltung. Hierum kümmert sich vor allem der Veterinär. Die ‚Pilotfarm' von Kavumu besteht bisher vor allen Dingen aus einem Holzhaus. Dieses wird als Zwischenstation für die von den Familien als Kreditabzahlung zurückgegebenen Hühner genutzt. Eine Mama ist für das Haus verantwortlich: Sie achtet darauf, dass keine Küken verloren gehen, füttert die Küken, sammelt die Eier ein, sorgt für Grünzeug. Ein paar Wochen lang werden die Küken hier großgezogen und geimpft, bevor sie von der Gruppe an neue interessierte Familien abgegeben werden.

Drei Familien, die Hühner bekommen hatten, haben wir besucht. In der ersten Familie zeigte uns ‚Mama Isak' stolz ihr vor einigen Tagen geborenes Kind: "Dies sei ihr bestes Baby, welches sie bisher zur Welt gebracht hätte. Es hätte über 4 kg gewogen und dies hätte nur an den Eiern gelegen, die sie jetzt regelmäßig essen könnten". Das kleine Anwesen, Haus, geräumiger Hof und kleiner Garten, sind von einem dichten Zaun umgeben, so dass die frei herumlaufenden Hühner nicht verloren gehen und vor Hunden oder anderen Kleintieren geschützt sind. Abends kommen die Hühner aus Sicherheitsgründen immer mit ins Haus. Sie könnten sonst gestohlen werden. Die Familie hat schon 2 Hühner zurückerstattet. In der zweiten Familie werden die Hühner in einem kleinen Hühnerhaus gehalten. Der Mann hat oft in Bukavu zu tun, die Frau muss die Kinder zur Schule bringen und dann auf dem entlegenen Feld arbeiten. Wenn sie nach Hause kommt, lässt sie die Hühner frei herumlaufen. Abends kommen sie dann wieder ins Hühnerhaus, welches übrigens direkt an das Wohnhaus angebaut war. Die Mama zeigt uns in einem großen Blechtrog die gelegten Eier der letzten Woche (ca. 40 Eier). Spontan schenkt sie uns 6 Eier. Diese Familie hatte auch schon Pech. Einige Hühner waren krank geworden und gestorben. Sie ließen sich aber nicht entmutigen und haben den Verlust offensichtlich schon wieder wett gemacht. Eine dritte Familie gab nicht so ein gutes Bild ab. Der Hühnerhalter lässt hier seine Hühner frei herumlaufen. Er hätte kein Geld für Futter. Als wir ankamen, musste er seine Hühner erst einmal anlocken. Von den 4 Hühnern vom Projekt ist jetzt nur noch eines übrig. Aber auch er hat schon einige Küken, die er an die Gruppe zurückgeben kann. Er will noch einmal an dem Kurs der Gruppe über Hühnerhaltung teilnehmen. Der Veterinär erläuterte, dass sie uns bewusst auch dieses nicht so gute Beispiel zeigen wollten, um die Probleme deutlich zu machen, die manche Familien noch mit der für sie neuen Hühnerhaltung haben.

Vor allem wegen der Futterknappheit während der Trockenzeit muss genau kalkuliert werden, wie viel Futter zugekauft werden muss, damit sich für eine Familie die Hühnerhaltung rentiert. Verkaufsprobleme hätten die Familien keine: Auf dem lokalen Markt gleich in Kavumu bekommen die Familien pro Ei 20 FC ( 1$ - z.Zt. ca. 250 FC). Auf dem Markt in Bukavu zahlt man schon 30 FC. Es kommen auch Frauen aus Bukavu nach Kavumu, kaufen hier viele Eier auf und verkaufen diese dann in Bukavu. Ausgaben haben die Familien vor allem in der Trockenzeit: Pro Trockenzeit müssen die Hühner 1x geimpft werden, was 15 FC/Huhn kostet. Und dann muss vor allem Futter zugekauft werden. 

Wegen der Unruhen in der Region, waren einige Familien weggezogen. Erst nach und nach sind sie zurückgekommen. Das Hühnerprojekt hat dabei schon eine enorme soziale Bedeutung erlangt. Es fördert keinen Neid unter der Bevölkerung. Die Gruppe ist offen für alle, die Mitglied werden wollen. Durch das rotierende System sind schon eine Reihe neuer Familien dazugekommen und eine ganze Reihe stehen auf der Warteliste, um von der ‚Pilotfarm' bedient zu werden. Über die Hühner haben viele Familien einen engen Kontakt untereinander bekommen, besprechen ihre Probleme, überlegen gemeinsame Lösungen. So fördert das Projekt das Gemeinschaftsgefühl, welches wegen der vielen Probleme der vergangenen Jahre verloren gegangen war.

Die Mitglieder der Gruppe und die Frauen der Familien machten einen wirklich engagierten Eindruck.

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Ziegen für Fizi


Das Ziegenprojekt konnten wir vor Ort leider nicht besuchen. Die Gegend ist immer noch problematisch und man kann dort nur sehr umständlich reisen. Die beiden wichtigsten Vertreter von ASEF, der Gruppe des Ziegenprojekts, waren aber extra nach Bukavu gekommen.

Das Projekt arbeitet in einer Region des Tanganyika-Sees, entlang einer ca. 90 km langen Uferregion von Uvira bis Baraka. Man beschränkt sich auf die Uferregion, da das Hinterland noch zu unsicher ist. Im Laufe des Krieges sind alle Ziegen gestohlen worden. Die Bewohner der Region, die über den See nach Tansania geflohen waren, kommen jetzt nach und nach zurück.

Die Gruppe kümmert sich vor allem um Familien, deren Eltern im Krieg getötet wurden und wo das älteste Kind, manchmal erst 15 Jahre alt, jetzt die Rolle des Familienoberhauptes für die Geschwister übernommen hat. Auch arbeitet die Gruppe mit Familien, die Waisenkinder aufgenommen haben. 181 Familien haben am Projekt schon Interesse angemeldet. An 40 Familien konnte schon jeweils 1 Ziege verteilt werden. Die Ziegen wurden in Uvira gekauft und per Boot zu den Küstenorten der Familien gebracht. Die Straßen dieser Region sind noch unpassierbar, so dass die Dörfer nur zu Fuß oder mit dem Boot erreichen werden können.
Zunächst werden die Familien über Ziegenhaltung und das System des "rotierendes Kredits" informiert. Der Kredit verlangt, dass ein Junges an die Gruppe zurückgegeben werden muss, sobald sie Junge bekommt. Damit wird der Kreis des begünstigten Familien nach und nach ausgeweitet. Von den 181 interessierten Familien haben diejenigen eine Ziege bekommen, die Mitglied von ASEF geworden sind und am meisten unter dem Krieg gelitten haben.

Im Juli wird ein Fachmann im Auftrag von Ushirika von Bukavu in die Region geschickt, um sich ein Bild von den konkreten Realisierungen und aufgetretenen Fragen zu machen. Ziegen spielen bei den Menschen dieser Region traditionell eine wichtige Rolle. Mit der Wiedereinführung von Ziegen erhofft man sich ein Zusammenwachsen der örtlichen Gruppen. Ohne Ziegen kann man nicht heiraten, sie gewährleisten eine Verbesserung der Nahrung, mit den Verkaufserlösen kann Schulgeld und medizinische Versorgung bezahlt werden. Ziegen sind einfach zu halten, kaum anfällig für Krankheiten und benötigen kein ausgeklügeltes Management. In der Region sind Ziegen eine Art "kleiner Reichtum".

Eine Missionarin aus Bukavu, die jahrelang in der Region des Ziegenprojekts am Tanganyika-See gearbeitet hat, die die lokale Sprache spricht und viele Personen dort persönlich kennt, hatten wir als neutrale Beraterin in das Projekt eingebunden. Mit ihr sprachen wir über die Verwirklichungen im Projekt. Einer ihrer langjähriger Bekannter ist Vizepräsident von ASEF. Für ihn legt sie die Hände ins Feuer. Sie wird sich weiter um das Projekt kümmern und mit dafür Sorge tragen, dass die Projektziele auch wirklich so verwirklicht werden, wie bei der Unterstützung angefragt.

Sicher ist es ein Risiko, ein Projekt in einer Region zu unterstützen, welches man nicht regelmäßig aufsuchen und betreuen kann. Wir haben es trotzdem gewagt in der Hoffnung, etwas für die Menschen dieser Region zu versuchen. Vielleicht kann es ihnen wieder ein wenig Halt geben. Allerdings wäre uns das Risiko ohne eine Einbindung der Missionarin zu groß gewesen.

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Mühle von Kakundu


50 km nördlich von Bukavu, ca 1 ½ Stunden Fußmarsch von der Ortschaft Miti entfernt, liegt in den Bergen die Mühle von Kakundu. An einem stark abfallenden Gelände befindet sich eine stark sprudelnde Quelle. Schon nach wenigen Metern haben die Mitglieder der Gruppe CDK einen Wasserkanal vom Bachlauf abgezweigt, der ca. 70 m am Berg entlang zu einem gemauerten Rohreinlass führt. Stöckergitter im Wasserkanal fangen Zweige und Blätter auf. Ein erstes stählernes Fallrohr (ca. 40 cm Ø und 5 m lang) führt den steilen Abhang hinunter zu einem mit wuchtigen Feldsteinen gemauertem Speicherbecken (ca. 2 x 2 m und 1,5 m Tiefe). Vom Speicherbecken führt ein 15 m langes Fallrohr mit gleichem Durchmesser fixiert durch 2 gemauerte Stützen direkt hinunter in die Mühlenturbine. Die Turbine wurde in Bukavu aus Altmetallteilen hergestellt. Über einen Keilriemen wird die Turbinenumdrehung auf die Mühle geleitet, die auch aus Altmetallteilen in Bukavu hergestellt wurde. Gemahlen werden Maniok, Mais, Hirse und Soja.


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Die Jugendlichen von Bagira


Die Gruppe Notabene kümmert sich in Bagira, einem Vorort von Bukavu, um Lebenschancen von Jugendlichen. Ziel ist es, den Jugendlichen zu einer vernünftigen Beschäftigung zu verhelfen. Die Gruppenmitglieder haben in Bagira eine völlig verstopfte, teilweise schon verschüttete Kanalisation freigelegt - eine öffentliche Entsorgung gibt es seit Jahrzehnten nicht. Die herausbrachte Erde wird jetzt von Anwohnern als Dünger auf die Gärten verteilt. Dann unterhält die Gruppe eine Reihe kleiner Verkaufsstände und einen Friseursalon (unter freiem Himmel). Mit dem Profit finanzieren die Jugendlichen ihr Schulgeld. Jetzt soll im Innenstadtbereich von Bagira ein fester Kiosk eingerichtet werden. Die Stadt hat dies Vorhaben schon genehmigt. Weiter versuchen die Jugendlichen durch kleine Theateraufführungen und Musikdarbietungen auf SIDA (AIDS) und auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen.

Die Unterstützung von ProKivu ist schon auf die Jugendlichen der Gruppe verteilt worden, damit auch diese jetzt auch über einen Kleinhandel oder ein kleines Gewerbe ihr Schulgeld finanzieren und eventuell sogar ihre Familien unterstützen können.

Das Projekt hat erst angefangen. Und so bleibt hier noch viel Beratungs- und Betreuungstätigkeit durch Ushirika zu leisten.

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Complexe Scolaire Muhungu (Schulkomplex Muhungu)


Seit ein paar Jahren unterhält Emmeli eine kleine Schulpartnerschaft mit einer Schule in Muhungu, einem Stadtteil von Bukavu.

Aus der Initiative eines ehemaligen Lehrers ist in 8 Jahren eine Schule mit Klassen im Primar- und jetzt auch Sekundarbereich entstanden. Schulen funktionieren in Bukavu allein auf privater Basis oder werden über verschiedene Hilfsorganisationen unterstützt. Staatliche Unterstützungen oder staatliche finanzierte Lehrergehälter gibt es nicht. Der Schulkomplex Muhungu funktioniert auf rein privatwirtschatlicher Basis: Die Eltern der Schüler müssen 3 - 4 $ pro Monat bezahlen. Die Lehrer bekommen pro Monat ein Gehalt um die 40$. In katholischen und protestantischen Schulen, die Unterstützungen von den Kirchen erhalten, müssen im Primarschulbereich pro Monat 1 ½ $ bezahlt werden, im Sekundarschulbereich 2 ½ $. Diese Schulen reichen aber längst nicht für die Bevölkerung aus.

Ein großer Teil der Eltern haben nicht die finanziellen Mittel, um ihre Kinder zur Schule schicken zu können. Die Lehrer von Muhungu meinten, mindestens die Hälfte der Kinder in Bukavu gingen nicht zur Schule.

Wir überlegen ob wir versuchen sollten, der Schule einen Fonds zur Verfügung zu stellen, aus dem das Schulgeld für bedürftige Kinder bezahlt wird. Es bedarf noch einiger klärender Gespräche, um ein System der Schulgeldgewährung auszuarbeiten. Unser Berater hat sich bereit erklärt, hierbei behilflich zu sein. Er ist in Muhungu tätig und ist selbst auch schon verantwortlich für die Vergabe von Schulgeld für bedürftige Kinder. Ushirika wird sich in Zusammenarbeit mit dem Berater um die Ausarbeitung eines tragfähigen Systems kümmern.



Prüfung der Finanzberichte


Die den Finanzberichten zugrunde liegenden Buchführungen für die einzelnen Projekte werden von Ushirika geführt. Alle diese Buchführungen wurden geprüft, wobei die Belege jeder einzelnen Ausgabe und Einnahme in Augenschein genommen wurden. Einige kleine Punkte wurden direkt mit Ushirika besprochen und vor Ort geklärt. ProKivu kann bestätigen, dass die Buchführungen korrekt geführt wurden und die Gelder ausschließlich entsprechend der Projektanforderungen genutzt wurden. Unregelmäßigkeiten sind nicht vorhanden.



Absprache mit Ushirika für die Zusammenarbeit in der zweiten Phase


Absprachen bezüglich der laufenden Projekte

Grundsätzlich haben wir festgestellt, dass die Betreuung der Projekte unverzichtbar ist, eventuell sogar ausgeweitet werden muss. Ushirika wird sich bei den einzelnen Projekten um folgende Punkte kümmern:

  • Pilotfarm von Kavumu: Mit den Zahlen der bisherigen Ausgaben und Einnahmen soll eine genaue Kalkulation über die Rentabiltät des Projektes aufgestellt werden. Zu überlegen ist dann, ob nicht eine Anzahl von Eiern auch direkt von der Gruppe in Bukavu verkauft werden kann, um die höheren Eierpreise dort zu nutzen. Sicher gibt es immer eine Reihe von Gruppenmitgliedern, die in Bukavu zu tun haben. Die bisher begonnenen Anstrengungen der Gruppe, Probleme gemeinsam anzugehen, sollen weiter gefördert werden. Eventuell könnte man auf Anschlussunterstützungen, die von der Gruppe angefragt werden, eingehen.
  • Mühle von Kakundu: Ushirika wird zunächst darauf achten, dass die Mühle voll funktionsfähig wird. Hierbei spielen der Wasserdruck und die Abdichtungen eine entscheidende Rolle. ProKivu wird bei einem bekannten Wasserfachmann in Deutschland technische Ratschläge einholen. Die vom Techniker der Mühle angesprochene Idee, die Wasserkraft auch für Stromgewinnung zu nutzen, wird nicht unterstützt werden. Vielmehr wird Ushirika der Gruppe die Schwierigkeiten einer solche Installierung vor Augen führen und darauf achten, dass die Gruppe ihr eigentliches Ziel nicht aus dem Auge verliert.
  • Equipe Alpha: Ushirika wird bei dem Projekt zunächst eine angepasste Buchführung einführen. In der gegenwärtigen Situation war offensichtlich das Unterstützungsbudget zu hoch. Wenn abzusehen ist, dass der Restbetrag von 530 $ bald nicht sinnvoll im Sinne des Projekts eingesetzt werden kann, wird Ushirika über eine anderweitige Nutzung des Betrages nachdenken und sich hiermit mit ProKivu in Verbindung setzen. Die Equipe muss sich Gedanken darüber machen, weitere Kunden für ihren vorhandenen Warenstock zu finden. Der Warenumsatz muss wesentlich be-schleunigt werden.
  • Ziegen für Fizi: Ushirika wird eng mit der Missionarin zusammenarbeiten, um das Risiko bei den Projektverwirklichungen möglichst gering zu halten. Das noch zur Verfügung stehende Restbudget des Projekts wird erst freigegeben, wenn der Betreuungsbesuch vom Juli positive Ergebnisse bringt und die Einschätzung der Missionarin auch positiv ausfällt.
  • Die Jugendlichen von Bagira: Der Betreuungsbedarf durch Ushirika ist hier besonders stark, aber auch durch die Nähe zu Bukavu am leichtesten zu realisieren.
  • Ushirika erarbeitet zusammen mit unserem Berater ein System zur Unterstützung von 10-20 Kindern für den Schulkomplex Muhungu. Das Geld darf dabei nie direkt an die Familie gegeben werden, sondern zur Aufnahme der Kinder nur direkt an die Schule. Die unterstützten Kinder müssen per Liste erfasst werden. Bei dem Komitee von Muhungu (einer Einrichtung der zivilen Gesellschaft von Muhungu) wird man sich informieren, welche Kinder besonders bedürftig sind.

Absprachen über Änderungen unseres Vertrages der Zusammenarbeit mit Ushirika

Grundsätzlich bleiben die Regelungen unseres Abkommens mit Ushirika weiterhin bestehen. Auf Grund der gemeinsam gewonnenen Erkenntnisse werden aber einige Änderungen in den Vertrag unserer Zusammenarbeit eingearbeitet werden:

  • Auf Mehrfach- oder Anschlussunterstützungen wird dann zugegangen, wenn sich die Zusammenarbeit mit der Gruppe als sehr fruchtbar gezeigt hat und die zusätzlich angefragte Unterstützung dem Gesamtrahmen der Gruppe angepasst ist sowie für die weitere Entwicklung Sinn macht. Ein Verbesserung der Lebensverhältnisse einer Gemeinschaft ist leichter und nachhaltiger zu erreichen, wenn mehrere zusammenhängende Aspekte betrachtet werden. Auch kann ein erfolgreiches Projekt sich beispielhaft für andere Gemeinschaften auswirken. Mehrfach- oder Anschlussunterstützungen durchlaufen die gleiche Genehmigungsprozedur wie Erstunterstützungen. Bevor ein Gruppe noch einmal unterstützt werden kann, muss ein Finanzbericht und ein Sachbericht der bisherigen Unterstützung vorliegen sowie eine ausdrückliche Befürwortung durch den Berater.
  • Projekte in Regionen, in denen eine regelmäßige Betreuung und Kontrolle nicht durchgeführt werden kann, können nicht unterstützt werden. Hierbei müssen die Transportkosten für die Betreuungsarbeit in einem angemessenen Verhältnis zum Gesamtbudget stehen.
  • Zu Beginn eines unterstützten Projektes und wenigstens bei Abschluss oder vor der Genehmigung einer Anschlussunterstützung macht Ushirika Fotos von wichtigen Projektinhalten. Hierbei soll berücksichtigt werden, dass der Fortlauf der Projektverwirklichungen festgehalten wird.
  • Das Unterstützungsbudget für die einzelnen Projekte wird von Ushirika nur in dem Umfang freigegeben, wie es die Sache und die Verhältnisse erfordern. Damit bleibt die Möglichkeit erhalten, bei sich ändernden Verhältnissen Budgetmittel auch anderen Aufgaben zuzuweisen. Solche Änderungen müssen zwischen Ushirika und ProKivu abgesprochen und in einer Änderung des Projektvertrags schriftlich festgehalten werden.
  • Bei den für die Projekte geplanten Ausbildungen/Seminaren achtet Ushirika darauf, dass die Eigenbeteiligung der Gruppen angepasst realisiert wird. Im Normalfall kann davon ausgegangen werden, dass die Versorgung mit Nahrungsmitteln während einer solchen Veranstaltung von der Gruppe übernommen wird.
  • Es können auch Projekte mit kleinerem Gesamtbudget als 1.500 $ (Höchstbetrag) angefordert werden.
  • Die Geschichten, die von Ushirika an ProKivu gesandt werden, sollen so persönlich wie möglich geschrieben sein. Am besten kommen hier Geschichten an, in der eine Person ‚seine Geschichte' persönlich erzählt. Wenn irgend möglich sollten Fotos zu den Geschichten mitgeschickt werden.



Schluss


ProKivu bedankt sich bei Ushirika, bei unserem Berater und allen anderen Gesprächsteilnehmern für die gute Zusammenarbeit während des Aufenthalts. Die Vorbereitung unseres Besuchs, die offenen und aufgeschlossenen Diskussionen und die Planungen zum Besuch der Projekte machten es möglich, dass unsere Reise zu einem vollen Erfolg werden konnte.

Ein besonderer Dank geht an unseren Freund von der Pharmakina, der viel dazu beigetragen hat, dass der Aufenthalt in Bukavu überhaupt möglich war.

Nach erst zwei Jahren unserer Zusammenarbeit mit Ushirika für Basisgruppen im Kivu können wir sagen, dass sich unser Ansatz gerade unter den gegebenen Verhältnissen einer Krisenregion bewährt hat.

ProKivu wird versuchen, hier in Europa weiter auf die Probleme der Menschen im Kivu hinzuweisen und sich bemühen, Finanzmittel für die Unterstützung von weiteren Projekten zu gewinnen.