Reise in den Kivu - Sommer 2002 - Seite 3 Drucken
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Reise in den Kivu - Sommer 2002
Projekte allgemein
Projekt: Pilotfarm von Kavumu
Projekt: Ziegen für Fizi
Projekt: Mühle von Kakundu
Projekt: Die Jugendlichen von Bagira
Projekt: Complexe Scolaire Muhungu (Schulkomplex Muhungu)
Prüfung der Finanzberichte
Absprache mit Ushirika für die Zusammenarbeit in der zweiten Phase
Schluss
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Pilotfarm von Kavumu


In einer Region etwa 50 km nördlich von Bukavu liegt die ‚Pilotfarm von Kavumu'. Das Hühnerprojekt funktioniert schon als ein rotierendes System. Familien, die Interesse an Hühnern hatten, sind zunächst Mitglieder der Gruppe GESMAV geworden. Dann bekamen sie auf Kreditbasis 4 Hühner und einen Hahn. Sobald ihre Hühner selbst Küken ausgebrütet hatten, begannen die Familien nach und nach Hühner an die Gruppe zurückzugeben. 
Gekauft wurden die Küken zunächst von einer Brutstation in Bukavu. Es handelte sich um eine verbesserte Rasse, die bei sachgerechter Fütterung jeden Tag ein Ei legt. Die normalen Dorfhühner legen nur in bestimmten Perioden Eier und sind deshalb nicht so beliebt. Allerdings sind sie widerstandsfähiger gegen Krankheiten. In der Regenzeit ist die Beschaffung des Futters kein Problem, da die Familien genug gutes Futter aus ihren Gärten zur Verfügung haben (Hirse, Mais, Küchenabfälle, Kartoffelschalen). In der Trockenzeit (hier 3-4 Monate im Jahr) muss Futter zugekauft werden. Hier kommt es dann manchmal zu Problemen: Sorgen die Familien nicht für genügend Futter, legen die Hühner auch nicht mehr jeden Tag Eier. Damit haben dann die Familien aber auch weniger Einkünfte aus den Eierverkäufen.

Alle Hühner werden regelmäßig geimpft. Sonst werden sie oft vor allem in der Trockenzeit krank und können sterben. Ein Veterinär, angestellt in der Aufzuchtsstation in Bukavu, ist auch Mitglied der Gruppe GESMAV und kümmert sich um die nötigen Impfungen. Nach der Anfangsphase bezahlen die Familien die Impfungen selbst. Bevor Familien Hühner vom Projekt erhalten, bekommen sie eine Einweisung über Hühnerhaltung. Hierum kümmert sich vor allem der Veterinär. Die ‚Pilotfarm' von Kavumu besteht bisher vor allen Dingen aus einem Holzhaus. Dieses wird als Zwischenstation für die von den Familien als Kreditabzahlung zurückgegebenen Hühner genutzt. Eine Mama ist für das Haus verantwortlich: Sie achtet darauf, dass keine Küken verloren gehen, füttert die Küken, sammelt die Eier ein, sorgt für Grünzeug. Ein paar Wochen lang werden die Küken hier großgezogen und geimpft, bevor sie von der Gruppe an neue interessierte Familien abgegeben werden.

Drei Familien, die Hühner bekommen hatten, haben wir besucht. In der ersten Familie zeigte uns ‚Mama Isak' stolz ihr vor einigen Tagen geborenes Kind: "Dies sei ihr bestes Baby, welches sie bisher zur Welt gebracht hätte. Es hätte über 4 kg gewogen und dies hätte nur an den Eiern gelegen, die sie jetzt regelmäßig essen könnten". Das kleine Anwesen, Haus, geräumiger Hof und kleiner Garten, sind von einem dichten Zaun umgeben, so dass die frei herumlaufenden Hühner nicht verloren gehen und vor Hunden oder anderen Kleintieren geschützt sind. Abends kommen die Hühner aus Sicherheitsgründen immer mit ins Haus. Sie könnten sonst gestohlen werden. Die Familie hat schon 2 Hühner zurückerstattet. In der zweiten Familie werden die Hühner in einem kleinen Hühnerhaus gehalten. Der Mann hat oft in Bukavu zu tun, die Frau muss die Kinder zur Schule bringen und dann auf dem entlegenen Feld arbeiten. Wenn sie nach Hause kommt, lässt sie die Hühner frei herumlaufen. Abends kommen sie dann wieder ins Hühnerhaus, welches übrigens direkt an das Wohnhaus angebaut war. Die Mama zeigt uns in einem großen Blechtrog die gelegten Eier der letzten Woche (ca. 40 Eier). Spontan schenkt sie uns 6 Eier. Diese Familie hatte auch schon Pech. Einige Hühner waren krank geworden und gestorben. Sie ließen sich aber nicht entmutigen und haben den Verlust offensichtlich schon wieder wett gemacht. Eine dritte Familie gab nicht so ein gutes Bild ab. Der Hühnerhalter lässt hier seine Hühner frei herumlaufen. Er hätte kein Geld für Futter. Als wir ankamen, musste er seine Hühner erst einmal anlocken. Von den 4 Hühnern vom Projekt ist jetzt nur noch eines übrig. Aber auch er hat schon einige Küken, die er an die Gruppe zurückgeben kann. Er will noch einmal an dem Kurs der Gruppe über Hühnerhaltung teilnehmen. Der Veterinär erläuterte, dass sie uns bewusst auch dieses nicht so gute Beispiel zeigen wollten, um die Probleme deutlich zu machen, die manche Familien noch mit der für sie neuen Hühnerhaltung haben.

Vor allem wegen der Futterknappheit während der Trockenzeit muss genau kalkuliert werden, wie viel Futter zugekauft werden muss, damit sich für eine Familie die Hühnerhaltung rentiert. Verkaufsprobleme hätten die Familien keine: Auf dem lokalen Markt gleich in Kavumu bekommen die Familien pro Ei 20 FC ( 1$ - z.Zt. ca. 250 FC). Auf dem Markt in Bukavu zahlt man schon 30 FC. Es kommen auch Frauen aus Bukavu nach Kavumu, kaufen hier viele Eier auf und verkaufen diese dann in Bukavu. Ausgaben haben die Familien vor allem in der Trockenzeit: Pro Trockenzeit müssen die Hühner 1x geimpft werden, was 15 FC/Huhn kostet. Und dann muss vor allem Futter zugekauft werden. 

Wegen der Unruhen in der Region, waren einige Familien weggezogen. Erst nach und nach sind sie zurückgekommen. Das Hühnerprojekt hat dabei schon eine enorme soziale Bedeutung erlangt. Es fördert keinen Neid unter der Bevölkerung. Die Gruppe ist offen für alle, die Mitglied werden wollen. Durch das rotierende System sind schon eine Reihe neuer Familien dazugekommen und eine ganze Reihe stehen auf der Warteliste, um von der ‚Pilotfarm' bedient zu werden. Über die Hühner haben viele Familien einen engen Kontakt untereinander bekommen, besprechen ihre Probleme, überlegen gemeinsame Lösungen. So fördert das Projekt das Gemeinschaftsgefühl, welches wegen der vielen Probleme der vergangenen Jahre verloren gegangen war.

Die Mitglieder der Gruppe und die Frauen der Familien machten einen wirklich engagierten Eindruck.

mehr über das Projekt...