Reise in den Kivu - Sommer 2002 - Seite 2 Drucken
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Reise in den Kivu - Sommer 2002
Projekte allgemein
Projekt: Pilotfarm von Kavumu
Projekt: Ziegen für Fizi
Projekt: Mühle von Kakundu
Projekt: Die Jugendlichen von Bagira
Projekt: Complexe Scolaire Muhungu (Schulkomplex Muhungu)
Prüfung der Finanzberichte
Absprache mit Ushirika für die Zusammenarbeit in der zweiten Phase
Schluss
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Projekte


Abgelehnte Projekte


Eine Reihe von Projekten, die von Ushirika angefragt waren, wurden während der ersten 2 Jahre der Zusammenarbeit von ProKivu abgelehnt: In wesentlichen Punkten erfüllten sie nicht die Bedingungen unserer Zusammenarbeit. ProKivu weist noch einmal darauf hin, dass die Projektanfragen so weit als nur irgend möglich dem Policy-Rahmen unserer Unterstützungen entsprechen sollten. Unterstützt werden können nur Direktanfragen von Gruppen. Anfragen anderer ONG's für deren Projekte würden noch eine Koordinierungsstelle dazwischenschalten. Dies erfordert unnötige Kosten und unnötige Beratungs- Koordinierungsarbeit. Wir sollten erreichen, dass bei klarer Absprache über den Unterstützungsrahmen die Auswahl der Projekte so weit wie möglich bei Ushirika liegt. ProKivu prüft dann nur noch, ob man sich an die Absprachen gehalten hat.


Zurückgestellte Projekte


3 Projekte sind schon seit längerer Zeit bei der GTZ eingereicht worden. Diese versucht seit mehr als einem Jahr eine Art Kriseninterventionsprogramm mit EZE und Misereor im Kivu aufzubauen. Grundsätzlich wurden die 3 Projekte schon genehmigt. Leider ist es aber bisher bei Gesprächen geblieben und in der Region noch nichts verwirklicht worden. Ushirika will noch die nächste Sitzung abwarten. Wenn dann immer noch nichts geschieht, bittet Ushirika ProKivu diese Projekte zu finanzieren.

7 angefragte Projekte wurden wegen offener Fragen erst einmal zurückgestellt. Erst wenn die Fragen geklärt sind kann entschieden werden, ob ProKivu auf die Projekte zugeht.


-Neue Projekte, Neue Partner

Ushirika hat ProKivu gebeten, auch andere Finanzierungspartner zu interessieren, um auf die große Anzahl der Anfragen von Gruppen aus dem Süd-Kivu eingehen zu können. Um auf andere Partner zugehen zu können, benötigt ProKivu aber von Ushirika die Vorlage einer Liste unterstützenswerter Projekte. Am besten wäre es, einige Projektanfragen nach Sachgebieten zu sammeln und dann so etwas wie eine konkrete Programmanfrage zu machen (bspw. die Unterstützung von landwirtschaftlichen Kleinprojekten). Nur mit einer konkreten, an die Situation angepassten Anfrage kann ProKivu sich an andere Finanzierungspartner wenden.


Begleitung von bereits unterstützten Projekten

Wenn man angefangen hat auf eine Projektanfrage einer Gruppe einzugehen, dann muss man diese Gruppe auch bei der Realisierung begleiten. In der Phase der Verwirklichung werden oft erst eine Reihe von Problemen sichtbar, die man vorher nicht gesehen hat und die eine weitere Beratung erfordern. Man kann eine Gruppe gerade in der momentanen Situation nicht allein lassen. Sonst müsste mit vielen gescheiterten Projekten, d.h. mit unnötigen Unterstützungen gerechnet werden. Die Erfahrung aus konkreten Verwirklichungen wird dann auch für weitere Projektanfragen benötigt.


Mehrfachunterstützungen

Die Abmachungen unserer Zusammenarbeit mit Ushirika sehen bisher im Prinzip nur einmalige Unterstützungen einer Gruppe vor. Die Idee war, wegen der limitierten finanziellen Mittel möglichst vielen Gruppen Unterstützungen zukommen lassen zu können. Aus den Erfahrungen der ersten Projekte gibt Ushirika zu bedenken, dass auch Mehrfachunterstützungen möglich sein sollten. Oft würde erst die Verwirklichung eines Projektes den Bedarf zu einer weiteren Maßnahme aufzeigen. Auch sind manche Projekte total unterschätzt im Budgetvolumen. Hier sollte eine Anschlussunterstützung zur Abrundung möglich sein. Diese müsste allerdings nicht unbedingt wieder den Maximalbetrag von 1.500$ ausschöpfen (s. die ‚Mühle von Kakundu')!


Geschichten und Bilder

Es ist sehr wichtig, zu den eingeschickten Geschichten über die Alltagsprobleme auch Bilder mitzuschicken. Informationen und Interesse transportiert man hier in Europa am besten über Bilder. Auch zu den Projektanfragen und -berichten sollten zum besseren Verständnis Bilder mitgeschickt werden.


Ratschläge unseres Beraters vor Ort

Unserer Berater, ein seit Jahrzehnten im Kivu in der Entwicklungsarbeit arbeitender Fachmann, berät Ushirika vor Ort, sieht sich die Projekte an und hilft bei Problemen. Nach den ersten zwei Jahren der Zusammenarbeit hat er uns eine Reihe von Ratschlägen gemacht:

  • Es macht Sinn, sich auf bestimmte Bereiche bei den Projekten zu beschränken. So sind für ihn folgende Bereiche jetzt wichtig:

    • Verbesserung der Wohnhäuser (in Adobetechnik oder Backsteinbau)
    • Tondachziegelherstellung
    • Einfassung von Quellen (Kosten bis ca. 350$/Quelleinfassung)
    • Wasseraufbereitung
    • Latrinenbau
    • Kleintierhaltung
    • Rotierende Kreditsysteme (vor allem für Frauen geeignet,
    • da verantwortungsvoll)
    • Sicherstellung bestimmter Ausbildungen/Schulbesuch
    • Sicherstellung der Betreuung der Projekte
    • Unterstützung der grundlegenden Bedürfnisse

  • Am Ende eines Jahres müsste in einem Projekt deutlich werden, was mit dem Engagement erreicht wurde. Es muss konkret etwas zu sehen sein. Wenn man zu viel auf einmal durchzuführen versucht und in zu vielen und weit entfernten Regionen gleichzeitig tätig sein will riskiert man, sich zu verzetteln.

  • Auch macht es nicht unbedingt Sinn, sich auf Einmalunterstützungen zu versteifen. Man muss dann jedes Mal mit einer neuen Gruppe beginnen, eines neues Projekt versuchen zu betreuen. Besser wäre es, mit engagierten Gruppen und Projekten, die gute Ergebnisse gebracht haben, weiter zu arbeiten und bei Bedarf weitere Bereiche zu unterstützen.

  • Seine Einschätzungen zu konkreten Projektanfragen:

    • Kantinen gibt es in Bukavu und Umgebung in Hülle und Fülle, sind nicht zu unterstützen.
    • Bei individuellem Handel muss man sehr genau hinsehen.
    • Seifenherstellungen müssen genau durchkalkuliert werden: Es gibt schon viele Seifenhersteller in Bukavu und Umgebung. Auch gibt es in Ruanda industriell hergestellte Seife jetzt überall billig zu kaufen. Das Palmöl, was zur Nahrung und auch zur Seifenherstellung benutzt wird, ist in Bukavu wegen der Verkehrsprobleme immer schwerer zu beschaffen und deshalb sehr teuer geworden. Öl als Grundnahrungsmittel kommt jetzt oft schon aus Thailand.
    • Unter den gegebenen unsicheren Verhältnissen vieler ländlicher Gegenden und den schwierigen Verkehrsverhältnissen macht es im Moment keinen Sinn, entfernt liegende Palmölhersteller zu unterstützen.
    • Bei Schweineprojekten sollte man sich auf lokale Rassen beschränken. Verbesserte Rassen sind sehr kompliziert (sehr anfällig für Krankheiten wie Schweinepest, haben die für ländliche Verhältnisse nicht ausreichend Widerstandskräfte und benötigen eine laufende spezielle Betreuung). Schweineprojekte mit lokalen Rassen sind eine gute Sache, da es viel zu wenig Schweine in der Region gibt.
    • Schulprojekte: Kinder, die keine Möglichkeit haben zur Schule zu gehen, sollten unterstützt werden.